Glasaale für das Steinhuder Meer
Wie Steinhuder Fischer mit Nachhaltigkeit den Aalbestand unterstützen
Der Aal gehört zu Steinhude. Er gehört zur Geschichte der Fischerei, zu den Räuchereien und zur regionalen Küche. Doch damit auch in Zukunft Aale im Steinhuder Meer heranwachsen können, braucht es heute Unterstützung.
Allein im Jahr 2025 waren es rund 150.000 dieser winzigen, noch nahezu durchsichtigen Jungfische. Steinhuder Fischer wie Detlef Hodann, Heinz Schweer und Uli Balzer waren dabei, als die kleinen Aale auf verschiedene Stellen des Steinhuder Meeres verteilt wurden.
Denn die natürliche Reise der jungen Aale in unsere Binnengewässer ist längst nicht mehr so einfach wie früher. Deshalb werden in Steinhude regelmäßig Glasaale in das Steinhuder Meer eingesetzt.

Steinhuder Fischer übernehmen Verantwortung
Für die Steinhuder Fischerei sind diese Maßnahmen besonders wichtig. Die Aalräucherei Schweer, die Fischerei und Aalräucherei Hodann und Fischspezialitäten Stünkel & Moitje stehen dabei beispielhaft für Fischer, die den Aal nicht nur als regionales Lebensmittel kennen, sondern sich auch mit seinem Lebensraum und seinem Bestand beschäftigen.

Die Fischerei am Steinhuder Meer hat eine lange Tradition. Nachhaltigkeit bedeutet dabei nicht, die Fischerei aufzugeben. Sie bedeutet vielmehr, mit dem Gewässer und seinen Fischbeständen so umzugehen, dass auch kommende Generationen noch davon leben können. Dazu gehören Besatzmaßnahmen ebenso wie ein verantwortungsvoller Umgang mit den vorhandenen Beständen und die Unterstützung der Aalwanderung.
Was sind eigentlich Glasaale?
Glasaale sind junge Europäische Aale. Sie haben zu diesem Zeitpunkt noch kaum Pigmente und wirken deshalb fast durchsichtig. Ihre Reise hat bereits einen langen Weg hinter sich.
Der Lebenszyklus des Europäischen Aals beginnt im Atlantik. Nach dem Laichen in der Sargassosee entwickeln sich die Larven und werden mit den Meeresströmungen in Richtung Europa transportiert. An den europäischen Küsten angekommen, entwickeln sie sich zu Glasaalen. Von dort würden sie normalerweise in Flüsse und andere Binnengewässer einwandern – unter anderem in Gewässer, die mit dem Flusssystem der Weser verbunden sind. Doch genau diese natürliche Wanderung ist heute stark eingeschränkt.
Warum werden die Glasaale im Steinhuder Meer eingesetzt?
Das Steinhuder Meer ist ein großes und für den Aal traditionell wichtiges Gewässer. Die natürliche Zuwanderung junger Aale ist jedoch heute stark erschwert. Bauwerke, Wehre, Schleusen und andere Veränderungen der Gewässer haben die Wanderwege des Aals in Europa verändert.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass die natürliche Rekrutierung des Europäischen Aals seit etwa 1980 auf nur noch wenige Prozent des früheren Niveaus zurückgegangen ist.
Für die Fischerei bedeutet das: Wenn nicht genügend junge Aale auf natürlichem Weg in die Gewässer gelangen, kann der Aalbestand an geeigneten Standorten durch Besatz unterstützt werden. Genau hier setzt der Glasaalbesatz im Steinhuder Meer an.
150.000 kleine Aale für Steinhude
Wenn die winzigen Glasaale am Steinhuder Hafen eintreffen, ist kaum vorstellbar, was aus ihnen einmal werden kann. Noch sind sie wenige Zentimeter lang und nahezu durchsichtig.
Die Fischer verteilen die Jungfische anschließend mit ihren Booten an verschiedenen Stellen im Steinhuder Meer. Im Jahr 2025 wurden dabei 150.000 Glasaale eingesetzt. Die Maßnahme wird gemeinsam mit der Fischerei und dem Anglerverband Niedersachsen durchgeführt.
Für die Steinhuder Fischer ist das keine einmalige Aktion. Der Europäische Aal ist heute europaweit stark unter Druck. Die Zahl der Glasaale, die an den europäischen Küsten ankommen, liegt nur noch bei einem Bruchteil der früheren Werte. Gleichzeitig wird die Wanderung durch menschliche Eingriffe in die Gewässer erschwert. Der Aalbesatz gehört seit vielen Jahren zu den Maßnahmen, mit denen der Aalbestand im Steinhuder Meer unterstützt wird.
Vom Glasaal zum Blankaal – zwei Seiten nachhaltiger Fischerei
Beim Glasaalbesatz geht es um die junge Generation: Junge Aale werden in das Steinhuder Meer eingesetzt, damit sie dort heranwachsen können. Das eine Projekt unterstützt also den Aufbau des Aalbestandes.
Aus dem durchsichtigen Jungaal wird zunächst ein Gelbaal. Mit zunehmendem Alter wächst der Aal weiter und kann schließlich eine Länge von deutlich über einem halben Meter erreichen. Irgendwann verändert sich sein Körper. Der Aal wird zum Blankaal. Dann beginnt seine letzte große Reise. Er stellt sich auf die Wanderung ins Meer ein und macht sich auf den Weg zurück in Richtung Atlantik. Damit schließt sich der Kreis zum zweiten Projekt, an dem sich Steinhuder Fischer beteiligen: dem Aaltaxi.
Das Aaltaxi
Wenn Steinhuder Fischer Aale zur Unterweser bringen
Beim Aaltaxi geht es um die ausgewachsenen Blankaale: Sie werden auf ihrer Rückwanderung unterstützt, damit sie sicherer aus den Binnengewässern Richtung Nordsee gelangen können. Dieses Projekt unterstützt die Abwanderung der ausgewachsenen Aale.
Der Lebensweg des Aals endet nicht im Steinhuder Meer. Wenn aus dem Gelbaal ein Blankaal geworden ist, beginnt die Rückwanderung Richtung Meer. Genau dabei können technische Hindernisse in den Flüssen zur Gefahr werden.
Ein besonderes Beispiel für Unterstützung auf dieser letzten Reise ist das Aaltaxi an der Weser. Blankaale werden gefangen, mit speziellen Transportfahrzeugen über Land gebracht und an der Unterweser wieder ausgesetzt. Von dort können sie ihre Wanderung Richtung Nordsee fortsetzen.
Und bei diesem Projekt spielen Steinhuder Fischer und Aalräuchereien eine wichtige Rolle. An dem Projekt beteiligen sich insbesondere die Aalräucherei Schweer, die Aalräucherei Hodann und Fischspezialitäten Stünkel & Moitje.

Warum braucht der Aal überhaupt ein Taxi?
Nach vielen Jahren im Binnengewässer beginnt für einen Teil der Aale die Rückwanderung. Der Blankaal muss flussabwärts in Richtung Meer. Dabei können Staustufen, Wehre und insbesondere Wasserkraftanlagen zum Problem werden.
Vor allem Turbinen von Wasserkraftwerken können für abwandernde Aale gefährlich sein. Die Fische können verletzt oder getötet werden.
Das Aaltaxi setzt genau hier an. Die Blankaale werden gefangen und nicht ihrem gefährlichen Weg durch technische Anlagen überlassen. Stattdessen werden sie in speziellen Behältern transportiert und an einer Stelle wieder ausgesetzt, an der sie ihre Wanderung Richtung Nordsee sicherer fortsetzen können.
Von Steinhude zur Weser
Für Steinhude verbindet das Projekt traditionelle Fischerei mit modernem Gewässerschutz. Die Fischer kennen den Aal seit Generationen als Teil der regionalen Fischereikultur. Beim Aaltaxi steht jedoch nicht der Aal als Lebensmittel im Mittelpunkt, sondern seine sichere Rückwanderung.
Die Beteiligung der Aalräucherei Schweer, der Aalräucherei Hodann und von Fischspezialitäten Stünkel & Moitje zeigt, dass Fischerei und Verantwortung für den Fischbestand miteinander verbunden werden können.
Das Aaltaxi fährt Richtung Dedesdorf
Die transportierten Blankaale werden bis zur Unterweser gebracht. Ein wichtiger Aussetzungsort befindet sich bei Dedesdorf, unweit der Wesermündung. Dort endet die Fahrt des „Aaltaxis“. Für die Aale beginnt anschließend der entscheidende Teil ihrer Reise: Sie müssen von der Weser in die Nordsee und von dort weiter in den Atlantik gelangen.

In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere Tonnen Blankaale mit den Transporten bis zur Unterweser gebracht. In der Saison 2024 waren es beispielsweise rund 6.440 Kilogramm Blankaale. In der Saison 2025/26 wurden weitere 4.794 Kilogramm transportiert.
Hinter diesen Zahlen stehen viele einzelne Fische – und die Hoffnung, dass möglichst viele von ihnen ihre Wanderung bis ins Meer erfolgreich abschließen.
Und irgendwann beginnt die Reise zurück
Die Geschichte des Steinhuder Aals beginnt weit entfernt vom Steinhuder Meer. Ein winziger Glasaal kommt aus dem Atlantik nach Europa und wird nach Steinhude gebracht. Hier wächst er über viele Jahre heran.
Aus dem Jungaal wird ein Gelbaal und schließlich ein Blankaal. Dann beginnt die Rückwanderung. Für einige dieser Aale kann das Aaltaxi eine wichtige Unterstützung sein.
So verbindet ein einziger Fisch Steinhude mit einem Lebensraum tausende Kilometer entfernt. Die Sargassosee ist das Laichgebiet des Europäischen Aals und von dort beginnt der außergewöhnliche Lebenszyklus immer wieder von vorn. Der Aal gehört zu Steinhude. Seine Reise aber führt weit darüber hinaus – von der Sargassosee nach Europa, ins Steinhuder Meer und schließlich wieder zurück in Richtung Atlantik.
Sargassosee → Atlantik → europäische Küste → Steinhuder Meer → zurück zur Weser → Nordsee → Atlantik → Sargassosee
Nachhaltige Fischerei in Steinhude
Der jährliche Glasaalbesatz und das Aaltaxi zeigen zwei Seiten einer Fischerei, die sich ihrer Verantwortung für den Aalbestand bewusst ist. Die einen helfen den jungen Aalen, nach Steinhude zu kommen. Die anderen helfen den ausgewachsenen Aalen, Steinhude wieder zu verlassen. Dazwischen liegt das Leben des Aals im Steinhuder Meer. Und vielleicht ist genau das die schönste Geschichte, die man über den Steinhuder Aal erzählen kann.