Mardorf genießen
Kulinarische und sportliche Entdeckungen am Nordufer des Steinhuder Meeres
Wenn vom Steinhuder Meer gesprochen wird, steht häufig Steinhude im Mittelpunkt. Doch Mardorf besitzt auf der Nordseite einen ganz eigenen Charakter.
Hier treffen die lange Uferpromenade, Natur, Segel- und Wassersport, Campingplätze und Fahrradtouren auf eine Gastronomie, die stark mit dem Ausflug verbunden ist. Fischlokale, traditionelle Ausflugsgaststätten, Restaurants am Wasser, Cafés, Biergärten und Hofläden liegen oft direkt an oder nur wenige Schritte von den beliebten Wegen am Nordufer entfernt.
Dabei erzählt Mardorf auch ein Stück Gastronomiegeschichte. Manche Betriebe bestehen seit Jahrzehnten, historische Gebäude haben völlig neue Aufgaben bekommen und einige frühere Gaststätten leben heute nur noch in Namen und Erinnerungen weiter.

Fischerstübchen – vom Kiosk zum Restaurant am Meer
Direkt am Ufer liegt das Fischerstübchen, das seit 1969 von der Familie Scharf geführt wird. Angefangen hat alles mit einem kleinen Kiosk für den benachbarten Campingplatz; später kamen Gastronomie, Gästezimmer und weitere Angebote hinzu. Heute gehören Restaurant, Hotel, Campingplatz und ein eigener Anlegersteg zum Betrieb.
Auf der Speisekarte stehen deutsche und regionale Gerichte mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Fisch. Besonders reizvoll ist die überdachte Terrasse mit direktem Blick auf das Steinhuder Meer.
Das Fischerstübchen zeigt damit ziemlich anschaulich, wie sich Mardorf selbst verändert hat: Aus einer einfachen Versorgung für Camping- und Ausflugsgäste wurde ein etablierter gastronomischer Betrieb direkt am Wasser.
Alte Schmiede – vom Hufbeschlag zur Aalräucherei
Bei der Alten Schmiede steckt die Geschichte bereits im Namen. Das Gebäude wurde 1867 als Schmiede genutzt; bis etwa 1960 wurden hier noch Pferde beschlagen. Am 7. März 1986 begann ein vollkommen anderes Kapitel: In dem historischen Gebäude wurde die erste Aalräucherei am Nordufer des Steinhuder Meeres eröffnet.
Heute dreht sich hier vieles um Fisch und unkomplizierte Ausflugsgastronomie. Dazu gehört ein Biergarten, der die Alte Schmiede gerade für Radfahrer und Spaziergänger zu einer angenehmen Zwischenstation macht. Der Übergang könnte kaum passender sein: Früher brannte das Feuer für das Schmiedehandwerk, später für den Räucherofen.
Alte Moorhütte – eine Eiche mitten im Gastraum
Die Alte Moorhütte gehört zu den ungewöhnlichsten Gaststätten in Mardorf. Bereits 1927 befand sich an diesem Standort ein Kiosk. Dieser wurde im Laufe der Jahrzehnte erweitert und entwickelte sich zum heutigen Café, Restaurant und Ausflugslokal. Noch außergewöhnlicher ist jedoch eine große Eiche, die bei einer Erweiterung des Gebäudes nicht gefällt, sondern kurzerhand in den Bau integriert wurde. Der Stamm wächst bis heute durch das Gebäude.
Auf der Speisekarte stehen regionale und deutsche Gerichte; als besondere Spezialität gilt die hausgemachte Sülze. Terrasse und Kaffeegarten machen die Moorhütte außerdem zu einem klassischen Ziel für Radfahrer und Spaziergänger auf dem Rundweg. Hier sitzt man also tatsächlich ein wenig mitten in der Natur, statt sie nur durch das Restaurantfenster zu betrachten.
San Stefan – die moderne Seite des Nordufers
Dass Mardorfs Gastronomie nicht nur aus Fischräucherei und traditionellen Ausflugslokalen besteht, zeigt das San Stefan am Segelclub. Direkt an der Uferpromenade verbindet das Restaurant den Blick aufs Steinhuder Meer mit einer moderneren, deutsch-mediterranen Küche. Damit setzt es einen bewussten Gegenpunkt zu den traditionsreichen Häusern im Ort. Gerade dieser Mix gehört inzwischen zu Mardorf: historische Gaststätten auf der einen, zeitgemäße Gastronomiekonzepte auf der anderen Seite.
Hofläden – Mardorf schmeckt nicht nur im Restaurant
Zur kulinarischen Seite Mardorfs gehört auch die Landwirtschaft.
Beim Hof Denker stammt ein Teil des Angebots aus eigener Landwirtschaft. Besonders wichtig sind die selbst angebauten Kartoffeln; daneben werden Obst, Gemüse, Eier, Wurstwaren und Produkte anderer regionaler Betriebe angeboten.
Der Hof Niemeyer verbindet Hofladen, Bauerncafé und Ferienwohnungen. Im Laden finden sich unter anderem Milch- und Käseprodukte, Obst und Gemüse, Brot, Fleisch- und Wurstwaren sowie saisonale Produkte. Das Sortiment umfasst außerdem vegetarische, vegane und glutenfreie Angebote.
Damit beginnt Genuss in Mardorf manchmal tatsächlich nicht in der Restaurantküche, sondern ein paar Meter weiter auf dem Feld oder auf dem Bauernhof.
Erst hoch hinaus, dann einkehren: der neue SkyLoop
Seit August 2026 besitzt Mardorf eine Attraktion, die man am Nordufer kaum übersehen kann: den SkyLoop, der sich in der Nähe des Kletterparks SeeTree befindet.

Das rund 40 Meter hohe Aussichts- und Erlebnisbauwerk bietet einen weiten Blick über das Steinhuder Meer. Die Plattform ist über etwa 250 Stufen oder barrierefrei mit dem Aufzug erreichbar. Wer es weniger gemütlich mag, kann zusätzlich Riesenrutsche, Zipline, Giant Swing, Basejump oder den Skytrail ausprobieren.
Damit passt der SkyLoop erstaunlich gut in einen Artikel über Mardorfs Gastronomie, obwohl man ihn selbstverständlich nicht essen kann. Gastronomie am Nordufer lebt schließlich davon, Teil eines Ausflugstages zu sein.
Erst das Meer aus rund 34 Metern Höhe betrachten oder sich freiwillig an einer Zipline hinunterbefördern lassen, danach wieder festen Boden unter den Füßen bekommen und in einem Restaurant, Biergarten oder Café einkehren: Genau diese Verbindung aus Erlebnis und Gastronomie prägt Mardorf.
Alte Gaststätten, die in Erinnerung geblieben sind
Nicht jede Mardorfer Gaststätte hat bis heute überlebt. Die frühere Neue Moorhütte existiert nicht mehr als gastronomischer Betrieb. Ihr Name ist jedoch erhalten geblieben und findet sich heute unter anderem beim Aussichtsturm „Neue Moorhütte“ wieder.

Auch am Standort des heutigen Fischerstübchens gab es bereits vorher Ausflugsgastronomie. 1930 eröffnete dort die Gaststätte „Lüttjen Mardorf“, 1936 folgte eine kleine Strandgaststätte. Seit 1969 befindet sich an dieser Stelle das Fischerstübchen.
Solche Namen gehören zur Geschichte des Nordufers. Gerade bei langjährigen Besuchern hängen daran Erinnerungen an Familienausflüge, Sommertage und Einkehrpausen, selbst wenn die ursprüngliche Gaststätte längst verschwunden ist.
Mardorf genießen heißt Mardorf erleben
Vielleicht unterscheidet genau das die Gastronomie Mardorfs von einem klassischen Restaurantbesuch. Man kommt häufig nicht ausschließlich zum Essen hierher.

Man fährt mit dem Fahrrad am Nordufer entlang, spaziert über die Promenade, segelt, verbringt den Tag am Wasser, besucht einen Hofladen oder steigt seit Neuestem auf den SkyLoop. Und irgendwann gehört eine Pause dazu: Fisch im Biergarten, Kaffee und Kuchen, ein Abendessen mit Blick auf das Meer oder einfach ein kaltes Getränk nach einigen Kilometern auf dem Fahrrad. Die Gastronomie ist dadurch nicht vom Ort getrennt. Sie ist Teil des Ausflugs. Mardorf hat deshalb kulinarisch seinen eigenen Charakter: zwischen Fisch und Landwirtschaft, historischen Ausflugslokalen und moderner Küche, langer Uferpromenade und neuen Attraktionen.
Und manchmal gehört zu einem guten Essen am Steinhuder Meer eben auch das, was man vorher erlebt hat.