Glasaale für das Steinhuder Meer

Wie Steinhuder Fischer mit Nachhaltigkeit den Aalbestand unterstützen

Der Aal gehört zu Steinhude. Er gehört zur Geschichte der Fischerei, zu den Räuchereien und zur regionalen Küche. Doch damit auch in Zukunft Aale im Steinhuder Meer heranwachsen können, braucht es heute Unterstützung.

Denn die natürliche Reise der jungen Aale in unsere Binnengewässer ist längst nicht mehr so einfach wie früher. Deshalb werden in Steinhude regelmäßig Glasaale in das Steinhuder Meer eingesetzt.

Allein im Jahr 2025 waren es rund 150.000 dieser winzigen, noch nahezu durchsichtigen Jungfische. Steinhuder Fischer wie Detlef Hodann, Heinz Schweer und Uli Balzer waren dabei, als die kleinen Aale auf verschiedene Stellen des Steinhuder Meeres verteilt wurden.


Was sind eigentlich Glasaale?

Glasaale sind junge Europäische Aale. Sie haben zu diesem Zeitpunkt noch kaum Pigmente und wirken deshalb fast durchsichtig. Ihre Reise hat bereits einen langen Weg hinter sich.

Der Lebenszyklus des Europäischen Aals beginnt im Atlantik. Nach dem Laichen in der Sargassosee entwickeln sich die Larven und werden mit den Meeresströmungen in Richtung Europa transportiert. An den europäischen Küsten angekommen, entwickeln sie sich zu Glasaalen. Von dort würden sie normalerweise in Flüsse und andere Binnengewässer einwandern – unter anderem in Gewässer, die mit dem Flusssystem der Weser verbunden sind. Doch genau diese natürliche Wanderung ist heute stark eingeschränkt.


Warum werden die Glasaale im Steinhuder Meer eingesetzt?

Das Steinhuder Meer ist zwar ein großes und für den Aal traditionell wichtiges Gewässer, aber die natürliche Zuwanderung junger Aale ist heute stark erschwert. Bauwerke, Wehre, Schleusen und andere Veränderungen der Gewässer haben die Wanderwege des Aals in Europa verändert.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass die natürliche Rekrutierung des Europäischen Aals seit etwa 1980 auf nur noch wenige Prozent des früheren Niveaus zurückgegangen ist.

Für die Fischerei bedeutet das: Wenn keine ausreichende Zahl junger Aale auf natürlichem Weg in die Gewässer gelangt, muss der Aalbestand an geeigneten Standorten durch Besatz unterstützt werden. Genau hier setzt der Glasaalbesatz im Steinhuder Meer an.


150.000 kleine Aale für Steinhude

Wenn die winzigen Glasaale am Steinhuder Hafen eintreffen, ist kaum vorstellbar, was aus ihnen einmal werden kann. Noch sind sie wenige Zentimeter lang und nahezu durchsichtig. Die Fischer verteilen die Jungfische anschließend mit ihren Booten an verschiedenen Stellen im Steinhuder Meer.

Im Jahr 2025 wurden dabei 150.000 Glasaale eingesetzt. Die Maßnahme wird gemeinsam mit der Fischerei und dem Anglerverband Niedersachsen durchgeführt. Für die Steinhuder Fischer ist das keine einmalige Aktion. Der Aalbesatz gehört seit vielen Jahren zu den Maßnahmen, mit denen der Aalbestand im Steinhuder Meer unterstützt wird.


Von Frankreich nach Steinhude

Die Glasaale für den Besatz stammen vor allem von der französischen Atlantikküste. Das mag zunächst erstaunlich klingen: Ein Fisch, der eigentlich selbst nach Europa wandern würde, wird gefangen und anschließend nach Deutschland transportiert. Der Grund liegt darin, dass an der Atlantikküste weiterhin Glasaale ankommen, während sie viele weiter im Landesinneren gelegene Gewässer heute nicht mehr in ausreichender Zahl erreichen können.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beschreibt deshalb den Besatz mit Glasaalen als eine wichtige Maßnahme des Aalmanagements. Dabei gelten inzwischen Vorgaben für Fang, Transport, Gesundheitskontrolle und Herkunft der Besatzaale. Für geförderte Besatzmaßnahmen müssen unter anderem Nachweise über einen nachhaltigen Fang vorliegen.


Ein kleiner Aal mit einer großen Zukunft

Was aus einem Glasaal im Steinhuder Meer werden kann, zeigt die Lebensgeschichte des Europäischen Aals. Die kleinen Tiere wachsen über viele Jahre im Gewässer heran. Aus dem durchsichtigen Jungaal wird zunächst ein Gelbaal. Mit zunehmendem Alter wächst der Aal weiter und kann schließlich eine Länge von deutlich über einem halben Meter erreichen. Irgendwann verändert sich sein Körper. Der Aal wird zum Blankaal. Dann beginnt seine letzte große Reise. Er stellt sich auf die Wanderung ins Meer ein und macht sich auf den Weg zurück in Richtung Atlantik. Und hier schließt sich der Kreis zum Aaltaxi an der Weser.


Steinhuder Fischer übernehmen Verantwortung

Für die Steinhuder Fischerei sind diese Maßnahmen besonders wichtig. Die Aalräucherei Schweer, die Fischerei und Aalräucherei Hodann und Fischspezialitäten Stünkel & Moitje stehen dabei beispielhaft für Fischer, die den Aal nicht nur als regionales Lebensmittel kennen, sondern sich auch mit seinem Lebensraum und seinem Bestand beschäftigen.

Die Fischerei am Steinhuder Meer hat eine lange Tradition. Nachhaltigkeit bedeutet dabei nicht, die Fischerei aufzugeben. Sie bedeutet vielmehr, mit dem Gewässer und seinen Fischbeständen so umzugehen, dass auch kommende Generationen noch davon leben können. Dazu gehören Besatzmaßnahmen ebenso wie ein verantwortungsvoller Umgang mit den vorhandenen Beständen und die Unterstützung der Aalwanderung.


Warum ist der Aalbesatz notwendig?

Der Europäische Aal ist heute europaweit stark unter Druck. Die Zahl der Glasaale, die an den europäischen Küsten ankommen, liegt nur noch bei einem Bruchteil der früheren Werte. Gleichzeitig wird die Wanderung durch menschliche Eingriffe in die Gewässer erschwert.  Deshalb wird der Aalbestand in geeigneten Gewässern durch Besatzmaßnahmen unterstützt. Dabei sollte man allerdings auch ehrlich sagen: Aalbesatz ist eine unterstützende Maßnahme und keine einfache Lösung für alle Probleme des Aals.

Das LAVES weist darauf hin, dass der tatsächliche Nettonutzen solcher Besatzmaßnahmen wissenschaftlich weiterhin diskutiert wird. Entscheidend sind unter anderem die Sterblichkeit beim Fang, beim Transport und beim Besatz sowie die Überlebenschancen der eingesetzten Aale im neuen Gewässer. Gerade deshalb sind kontrollierte Herkunft, schonender Umgang und fachgerechter Besatz so wichtig.


Vom Glasaal zum Blankaal – zwei Seiten nachhaltiger Fischerei

Beim Glasaalbesatz geht es um die junge Generation:
Junge Aale werden in das Steinhuder Meer eingesetzt, damit sie dort heranwachsen können. Das eine Projekt unterstützt also den Aufbau des Aalbestandes.

Beim Aaltaxi geht es um die ausgewachsenen Blankaale:
Sie werden auf ihrer Rückwanderung unterstützt, damit sie sicherer aus den Binnengewässern Richtung Nordsee gelangen können. Dieses Projekt unterstützt die Abwanderung der ausgewachsenen Aale.


Das Aaltaxi

Wenn Steinhuder Fischer Aale zur Unterweser bringen

Steinhude hat nicht nur eine lange Tradition im Umgang mit dem Aal, Steinhuder Fischer engagieren sich auch dafür, dass der Aal seine letzte große Reise in Richtung Meer möglichst sicher antreten kann.

Ein besonderes Beispiel dafür ist das Aaltaxi an der Weser. Was zunächst ungewöhnlich klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Blankaale werden gefangen, mit speziellen Transportfahrzeugen über Land gebracht und an der Unterweser wieder ausgesetzt. Von dort können sie ihre Wanderung Richtung Nordsee fortsetzen.

Und bei diesem Projekt spielen Steinhuder Fischer und Aalräuchereien eine wichtige Rolle.


Das Aaltaxi – eine besondere Aufgabe für Steinhuder Fischer

An dem Projekt beteiligen sich insbesondere die Aalräucherei Schweer, die Aalräucherei Hodann und Fischspezialitäten Stünkel & Moitje.

Für Menschen, die Steinhude und seine Fischereitradition kennen, ist das eigentlich keine Überraschung. Die Fischer am Steinhuder Meer beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit dem Aal, mit seinem Fang, seiner Verarbeitung und seiner Räucherung, aber eben auch mit seinem Lebensraum und seiner Wanderung. Beim Aaltaxi geht es allerdings nicht um den Aal als Lebensmittel. Hier werden gezielt abwandernde Blankaale gefangen. Diese Tiere haben ihre Wachstumsphase in den Binnengewässern abgeschlossen und machen sich auf ihre letzte Reise: zurück in Richtung Atlantik.


Warum braucht der Aal überhaupt ein Taxi?

Der Europäische Aal hat einen außergewöhnlichen Lebenszyklus. Sein Laichgebiet liegt im Atlantik in der Sargassosee. Die jungen Aale gelangen anschließend mit den Meeresströmungen nach Europa und wandern in Flüsse, Seen und andere Gewässer. Dort verbringen sie einen großen Teil ihres Lebens.

Auch das Steinhuder Meer gehört zur jahrhundertealten europäischen Aal- und Fischereigeschichte. Nach vielen Jahren beginnt für einen Teil der Aale die Rückwanderung. Aus dem bisherigen Aal wird ein sogenannter Blankaal. Sein Körper verändert sich und er stellt sich auf die lange Wanderung ins Meer ein. Jetzt muss der Aal flussabwärts. Und genau dabei lauern Gefahren. Wasserkraftwerke können für Blankaale zur Falle werden Ein Aal, der aus einem Flusssystem Richtung Meer wandert, kann auf seinem Weg auf Staustufen, Wehre und Wasserkraftanlagen treffen. Vor allem Turbinen von Wasserkraftwerken können für abwandernde Aale gefährlich sein. Die Fische können dabei verletzt oder getötet werden.

Das Aaltaxi setzt genau hier an. Die Blankaale werden gefangen und nicht einfach ihrem gefährlichen Weg durch die technischen Anlagen überlassen. Stattdessen werden sie in speziellen Behältern transportiert und an einer Stelle wieder ausgesetzt, an der sie ihre Wanderung Richtung Nordsee sicherer fortsetzen können.


Von Steinhude zur Weser

Für Steinhude ist das Projekt deshalb besonders interessant. Denn hier treffen alte Fischereitradition und moderner Gewässerschutz unmittelbar aufeinander. Die Menschen, die den Aal seit Generationen als Teil der regionalen Fischereikultur kennen, beschäftigen sich gleichzeitig mit der Frage, wie dieser faszinierende Fisch seinen natürlichen Lebenszyklus überhaupt noch vollenden kann.

Die Beteiligung der Aalräucherei Schweer, der Aalräucherei Hodann und von Fischspezialitäten Stünkel & Moitje zeigt diese Verbindung besonders deutlich. Sie stehen stellvertretend für eine Fischereitradition, die in Steinhude tief verwurzelt ist.


Das Aaltaxi fährt Richtung Dedesdorf

Die transportierten Blankaale werden bis zur Unterweser gebracht. Ein wichtiger Aussetzungsort befindet sich bei Dedesdorf, unweit der Wesermündung. Dort endet die Fahrt des „Aaltaxis“. Für die Aale beginnt anschließend der schwierigste und zugleich wichtigste Teil ihrer Reise: Sie müssen von der Weser in die Nordsee und von dort hinaus in den Atlantik gelangen.

Das Ziel ihrer langen Wanderung liegt tausende Kilometer entfernt. Man kann sich deshalb kaum einen größeren Gegensatz vorstellen: Hier das kleine Steinhude am Steinhuder Meer – dort die Sargassosee mitten im Atlantik. Und dazwischen liegt die außergewöhnliche Lebensreise eines Fisches, der viele Jahre in europäischen Gewässern gelebt hat.

Gleichzeitig macht das Aaltaxi deutlich, dass der Aal nicht nur ein Bestandteil unserer regionalen Fischereikultur ist. Er ist auch ein Wanderfisch mit einem Lebensweg, der weit über das Steinhuder Meer hinausgeht. Wer in Steinhude einen geräucherten Aal genießt, sieht zunächst einen regionalen Fisch.

Der Blick auf das Aaltaxi zeigt eine andere Seite: Der Aal ist ein Wanderer zwischen Binnengewässern und Atlantik. Dass sich Steinhuder Fischer am Aaltaxi beteiligen, ist deshalb mehr als eine technische Transportleistung. Es ist ein Beispiel dafür, wie sich Fischerei, Tradition und Verantwortung für den Fischbestand miteinander verbinden lassen.

In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere Tonnen Blankaale mit den Transporten bis zur Unterweser gebracht. In der Saison 2024 waren es beispielsweise rund 6.440 Kilogramm Blankaale. In der Saison 2025/26 wurden weitere 4.794 Kilogramm transportiert. Hinter diesen Zahlen stehen viele einzelne Fische und die Hoffnung, dass möglichst viele von ihnen ihre Wanderung bis ins Meer erfolgreich abschließen.


Und irgendwann beginnt die Reise zurück

Vielleicht ist das die faszinierendste Geschichte rund um den Steinhuder Aal. Ein winziger Glasaal kommt aus dem Atlantik nach Europa. Er wird nach Steinhude gebracht und hier in das Wasser gesetzt. Dann wächst er jahrelang im Steinhuder Meer heran. Vielleicht wird er irgendwann selbst zu einem der großen Aale, die die Steinhuder Fischer kennen. Und wenn er schließlich zum Blankaal wird, beginnt seine letzte Reise. Dann geht es nicht mehr nach Steinhude, sondern von Steinhude zurück zum Meer.

Für einige dieser Aale kann das Aaltaxi eine wichtige Unterstützung sein. Vom Steinhuder Meer bis zur Sargassosee Der Lebensweg des Aals ist außergewöhnlich.

Sargassosee → Atlantik → europäische Küste → Steinhuder Meer → zurück zur Weser → Nordsee → Atlantik → Sargassosee, (um dort abzulaichen)

Ein einziger Fisch verbindet damit Steinhude mit einem Lebensraum tausende Kilometer entfernt. Und genau deshalb ist der Aal für die Steinhuder Fischer mehr als nur eine regionale Spezialität. Er ist Teil eines außergewöhnlichen natürlichen Kreislaufs.

Die Aalräuchereien bewahren die kulinarische Tradition. Die Fischer sorgen mit ihrem Wissen und ihrer Arbeit dafür, dass die Fischerei am Steinhuder Meer lebendig bleibt. Und Projekte wie das Aaltaxi zeigen, dass traditionelle Fischerei und der Schutz des Aals nicht zwangsläufig Gegensätze sein müssen. Der Aal gehört zu Steinhude. Aber seine Reise führt weiter – bis zur Nordsee und hinaus in den Atlantik.


Nachhaltige Fischerei in Steinhude

Der jährliche Glasaalbesatz und das Aaltaxi zeigen zwei Seiten einer Fischerei, die sich ihrer Verantwortung für den Aalbestand bewusst ist. Die einen helfen den jungen Aalen, nach Steinhude zu kommen. Die anderen helfen den ausgewachsenen Aalen, Steinhude wieder zu verlassen. Dazwischen liegt das Leben des Aals im Steinhuder Meer. Und vielleicht ist genau das die schönste Geschichte, die man über den Steinhuder Aal erzählen kann.

 

 

neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu

 

Glasaale für das Steinhuder Meer
Wie Steinhuder Fischer mit Nachhaltigkeit den Aalbestand unterstützen
Der Aal gehört zu Steinhude. Er gehört zur Geschichte der Fischerei, zu den Räuchereien und zur regionalen Küche. Doch damit auch in Zukunft Aale im Steinhuder Meer heranwachsen können, braucht es heute Unterstützung.

Denn die natürliche Reise der jungen Aale in unsere Binnengewässer ist längst nicht mehr so einfach wie früher. Deshalb werden in Steinhude regelmäßig Glasaale in das Steinhuder Meer eingesetzt.

Allein im Jahr 2025 waren es rund 150.000 dieser winzigen, noch nahezu durchsichtigen Jungfische. Steinhuder Fischer wie Detlef Hodann, Heinz Schweer und Uli Balzer waren dabei, als die kleinen Aale auf verschiedene Stellen des Steinhuder Meeres verteilt wurden.

Was sind eigentlich Glasaale?
Glasaale sind junge Europäische Aale. Sie haben zu diesem Zeitpunkt noch kaum Pigmente und wirken deshalb fast durchsichtig. Ihre Reise hat bereits einen langen Weg hinter sich.

Der Lebenszyklus des Europäischen Aals beginnt im Atlantik. Nach dem Laichen in der Sargassosee entwickeln sich die Larven und werden mit den Meeresströmungen in Richtung Europa transportiert. An den europäischen Küsten angekommen, entwickeln sie sich zu Glasaalen. Von dort würden sie normalerweise in Flüsse und andere Binnengewässer einwandern – unter anderem in Gewässer, die mit dem Flusssystem der Weser verbunden sind.

Doch genau diese natürliche Wanderung ist heute stark eingeschränkt.

Warum werden die Glasaale im Steinhuder Meer eingesetzt?
Das Steinhuder Meer ist ein großes und für den Aal traditionell wichtiges Gewässer. Die natürliche Zuwanderung junger Aale ist jedoch heute stark erschwert. Bauwerke, Wehre, Schleusen und andere Veränderungen der Gewässer haben die Wanderwege des Aals in Europa verändert.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass die natürliche Rekrutierung des Europäischen Aals seit etwa 1980 auf nur noch wenige Prozent des früheren Niveaus zurückgegangen ist.

Für die Fischerei bedeutet das: Wenn nicht genügend junge Aale auf natürlichem Weg in die Gewässer gelangen, kann der Aalbestand an geeigneten Standorten durch Besatz unterstützt werden. Genau hier setzt der Glasaalbesatz im Steinhuder Meer an.

150.000 kleine Aale für Steinhude
Wenn die winzigen Glasaale am Steinhuder Hafen eintreffen, ist kaum vorstellbar, was aus ihnen einmal werden kann. Noch sind sie wenige Zentimeter lang und nahezu durchsichtig.

Die Fischer verteilen die Jungfische anschließend mit ihren Booten an verschiedenen Stellen im Steinhuder Meer. Im Jahr 2025 wurden dabei 150.000 Glasaale eingesetzt. Die Maßnahme wird gemeinsam mit der Fischerei und dem Anglerverband Niedersachsen durchgeführt.

Für die Steinhuder Fischer ist das keine einmalige Aktion. Der Aalbesatz gehört seit vielen Jahren zu den Maßnahmen, mit denen der Aalbestand im Steinhuder Meer unterstützt wird.

Von Frankreich nach Steinhude
Die Glasaale für den Besatz stammen vor allem von der französischen Atlantikküste. Das mag zunächst erstaunlich klingen: Ein Fisch, der eigentlich selbst nach Europa wandern würde, wird gefangen und anschließend nach Deutschland transportiert.

Der Grund liegt darin, dass an der Atlantikküste weiterhin Glasaale ankommen, während sie viele weiter im Landesinneren gelegene Gewässer heute nicht mehr in ausreichender Zahl erreichen können.

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beschreibt den Besatz mit Glasaalen deshalb als eine wichtige Maßnahme des Aalmanagements. Dabei gelten Vorgaben für Fang, Transport, Gesundheitskontrolle und Herkunft der Besatzaale. Für geförderte Besatzmaßnahmen müssen unter anderem Nachweise über einen nachhaltigen Fang vorliegen.

Ein kleiner Aal mit einer großen Zukunft
Was aus einem Glasaal im Steinhuder Meer werden kann, zeigt die Lebensgeschichte des Europäischen Aals. Die kleinen Tiere wachsen über viele Jahre im Gewässer heran. Aus dem durchsichtigen Jungaal wird zunächst ein Gelbaal. Mit zunehmendem Alter wächst der Aal weiter.

Irgendwann verändert sich sein Körper. Der Aal wird zum Blankaal. Dann beginnt seine letzte große Reise. Er stellt sich auf die Wanderung ins Meer ein und macht sich auf den Weg zurück in Richtung Atlantik.

Damit schließt sich der Kreis zum zweiten Projekt, an dem sich Steinhuder Fischer beteiligen: dem Aaltaxi.

Vom Glasaal zum Blankaal – zwei Seiten nachhaltiger Fischerei
Glasaalbesatz und Aaltaxi verfolgen unterschiedliche Ziele.

Beim Glasaalbesatz geht es um die junge Generation: Die Aale werden in das Steinhuder Meer eingesetzt, damit sie dort heranwachsen können.

Beim Aaltaxi geht es um die ausgewachsenen Blankaale: Sie werden auf ihrer Rückwanderung unterstützt, damit sie sicherer aus den Binnengewässern Richtung Nordsee gelangen können.

Dazwischen liegen viele Jahre im Steinhuder Meer.

Warum ist der Aalbesatz notwendig?
Der Europäische Aal ist heute europaweit stark unter Druck. Die Zahl der Glasaale, die an den europäischen Küsten ankommen, liegt nur noch bei einem Bruchteil der früheren Werte. Gleichzeitig wird die Wanderung durch menschliche Eingriffe in die Gewässer erschwert.

Deshalb wird der Aalbestand in geeigneten Gewässern durch Besatzmaßnahmen unterstützt. Aalbesatz ist allerdings keine einfache Lösung für alle Probleme des Aals.

Das LAVES weist darauf hin, dass der tatsächliche Nettonutzen solcher Besatzmaßnahmen wissenschaftlich weiterhin diskutiert wird. Entscheidend sind unter anderem die Sterblichkeit beim Fang, beim Transport und beim Besatz sowie die Überlebenschancen der eingesetzten Aale im neuen Gewässer.

Gerade deshalb sind kontrollierte Herkunft, schonender Umgang und fachgerechter Besatz so wichtig.

Das Aaltaxi
Wenn Steinhuder Fischer Aale zur Unterweser bringen
Der Lebensweg des Aals endet nicht im Steinhuder Meer. Wenn aus dem Gelbaal ein Blankaal geworden ist, beginnt die Rückwanderung Richtung Meer. Genau dabei können technische Hindernisse in den Flüssen zur Gefahr werden.

Ein besonderes Beispiel für Unterstützung auf dieser letzten Reise ist das Aaltaxi an der Weser. Blankaale werden gefangen, mit speziellen Transportfahrzeugen über Land gebracht und an der Unterweser wieder ausgesetzt. Von dort können sie ihre Wanderung Richtung Nordsee fortsetzen.

An dem Projekt beteiligen sich insbesondere die Aalräucherei Schweer, die Aalräucherei Hodann und Fischspezialitäten Stünkel & Moitje.

Warum braucht der Aal überhaupt ein Taxi?
Nach vielen Jahren im Binnengewässer beginnt für einen Teil der Aale die Rückwanderung. Der Blankaal muss flussabwärts in Richtung Meer. Dabei können Staustufen, Wehre und insbesondere Wasserkraftanlagen zum Problem werden.

Vor allem Turbinen von Wasserkraftwerken können für abwandernde Aale gefährlich sein. Die Fische können verletzt oder getötet werden.

Das Aaltaxi setzt genau hier an. Die Blankaale werden gefangen und nicht ihrem gefährlichen Weg durch technische Anlagen überlassen. Stattdessen werden sie in speziellen Behältern transportiert und an einer Stelle wieder ausgesetzt, an der sie ihre Wanderung Richtung Nordsee sicherer fortsetzen können.

Von Steinhude zur Weser
Für Steinhude verbindet das Projekt traditionelle Fischerei mit modernem Gewässerschutz. Die Fischer kennen den Aal seit Generationen als Teil der regionalen Fischereikultur. Beim Aaltaxi steht jedoch nicht der Aal als Lebensmittel im Mittelpunkt, sondern seine sichere Rückwanderung.

Die Beteiligung der Aalräucherei Schweer, der Aalräucherei Hodann und von Fischspezialitäten Stünkel & Moitje zeigt, dass Fischerei und Verantwortung für den Fischbestand miteinander verbunden werden können.

Das Aaltaxi fährt Richtung Dedesdorf
Die transportierten Blankaale werden bis zur Unterweser gebracht. Ein wichtiger Aussetzungsort befindet sich bei Dedesdorf, unweit der Wesermündung.

Dort endet die Fahrt des „Aaltaxis“. Für die Aale beginnt anschließend der entscheidende Teil ihrer Reise: Sie müssen von der Weser in die Nordsee und von dort weiter in den Atlantik gelangen.

In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere Tonnen Blankaale mit den Transporten bis zur Unterweser gebracht. In der Saison 2024 waren es beispielsweise rund 6.440 Kilogramm Blankaale. In der Saison 2025/26 wurden weitere 4.794 Kilogramm transportiert.

Hinter diesen Zahlen stehen viele einzelne Fische – und die Hoffnung, dass möglichst viele von ihnen ihre Wanderung bis ins Meer erfolgreich abschließen.

Und irgendwann beginnt die Reise zurück
Die Geschichte des Steinhuder Aals beginnt weit entfernt vom Steinhuder Meer. Ein winziger Glasaal kommt aus dem Atlantik nach Europa und wird nach Steinhude gebracht. Hier wächst er über viele Jahre heran.

Aus dem Jungaal wird ein Gelbaal und schließlich ein Blankaal. Dann beginnt die Rückwanderung. Für einige dieser Aale kann das Aaltaxi eine wichtige Unterstützung sein.

So verbindet ein einziger Fisch Steinhude mit einem Lebensraum tausende Kilometer entfernt. Die Sargassosee ist das Laichgebiet des Europäischen Aals – und von dort beginnt der außergewöhnliche Lebenszyklus immer wieder von vorn.

Nachhaltige Fischerei in Steinhude
Der jährliche Glasaalbesatz und das Aaltaxi zeigen zwei Seiten einer Fischerei, die sich ihrer Verantwortung für den Aalbestand bewusst ist.

Die einen helfen den jungen Aalen, nach Steinhude zu kommen. Die anderen helfen den ausgewachsenen Aalen, Steinhude wieder zu verlassen.

Dazwischen liegt das Leben des Aals im Steinhuder Meer.

Für die Steinhuder Fischer bedeutet Nachhaltigkeit dabei nicht, die Fischerei aufzugeben. Vielmehr geht es darum, mit dem Gewässer und seinen Fischbeständen so umzugehen, dass auch kommende Generationen noch davon leben können.

Der Aal gehört zu Steinhude. Seine Reise aber führt weit darüber hinaus – von der Sargassosee nach Europa, ins Steinhuder Meer und schließlich wieder zurück in Richtung Atlantik.

 

 

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen